|
GROSSE LIEBE
ZU KLEINEN BÄUMEN
WAS?
Was ist Bonsai?
Bonsai bedeutet soviel wie Baum oder Pflanze in der Schale. Der
Ursprung des Bonsai liegt vor über 2000 Jahren in China. Hier
bedeutet "Pun-sai" Baum in der Schale, "Pun-ching"
werden Landschaften, japanisch "Saikei", welche auf ein
flaches Tablett gepflanzt werden, genannt. Heute bezeichnet man
in China die kleinen Bäume auch als "Peijing"- Bäume.
Der Gärtner Jiang-Feng soll nach der Legende die magische Kraft
besessen haben, Felsen, Berge, Flüsse und Bäume winzig
klein auf ein Tablett zu zaubern.
Noch vor dem Jahre 1000 n. Ch. bestanden schon sehr umfangreiche
Bonsai-Fachbibliotheken.
Wahrscheinlich brachten buddhistische Mönche im 10.Jahrhundert
Bonsai nach Japan. Dort erst wurden die Bonsai zu der Perfektion
weiterentwickelt wie wir sie heute bei uns kennen.
Erst waren sie nur eine Freizeitbeschäftigung und Kunst der
Adeligen und Samurai, dann erst Ende des vergangenen Jahrhunderts
wurden sie zum allgemeinen Hobby auch des einfachen Volkes.
Japan zeigte an den Weltausstellungen in Paris 1878 und London 1909
die ersten Bonsai in Europa. Erste Bonsai-Clubs entstanden in England.
Nach dem 2. Weltkrieg, während der Besetzung Japans durch die
USA, fanden die Bonsai leicht den Weg über Amerika nach Europa.
Seit 1978, als ein Schweizer in Lembkes "Was bin ich? "
als Bonsai- Kultivateur auftrat, natürlich ein falscher Begriff,
da er nur Bonsai importierte, da setzte die Nachfrage nach den kuriosen
kleinen Dingern auch in der Schweiz ein. Bonsai ist aber sicher
nicht als Moderscheinung zu betrachten.
WOHER?
Woher kommt das Ausgangsmaterial
der Bonsai?
Wer sich etwas mit der Geschichte der gärtnerischen Kultur
in Europa, speziell Englands, befasst hat, weiss, dass im 18./19.Jahrhundert
viele Pflanzen in weit entfernten Ländern und Kolonien gesammelt
und importiert wurden. Man versuchte dann mit mehr oder weniger
Erfolg die Lebensansprüche der Pflanzen zu erfüllen.
Die ältesten Bonsai Chinas und Japans, etwa 800 bis 1000 jährige
Bäume, wurden
sicher schon mit einem hohen Alter von vielleicht 200-300 Jahren,
in den Bergen gesammelt und danach in Schalen kultiviert.
Ursprünglich waren die Miniatur-Bäume ja Meditationshilfen
der Mönche, Stufen auf dem Weg zur Seeligkeit.
Auch wir arbeiten heute mit verschiedensten Ausgangspflanzen. Mit
Aussaat und Stecklingen werden wohl die meisten Anfänger ihren
Einstig ins Hobby wagen.
Doch bald sehen sie, dass diese Methoden viele Jahre voraussetzen,
bis ein guter Bonsai entsteht. So werden später meist Container-Gehölze
oder Natur-Findlinge zum Bonsai gestaltet. Da hat die Natur ja schon
vorgearbeitet.
Das Suchen von Findlingen in der Natur, Yamadori genannt, ist eher
umstritten, da man einen Raubbau durch Unfähige und Profitmacher
befürchten muss.
WIE?
Wie werden Bonsai gestaltet? Warum bleiben sie so klein und können
mit so wenig Erde auskommen?
Sicher ist Ihnen bekannt, dass auch in unserer Natur Pflanzen in
extremen Lagen existieren können. Denken wir nur an Gräser
auf humuslosen Kiesflächen, Föhren und Wacholder in engsten
Felsspalten unserer Berge, weitere Beispiele wären vorhanden.
Unsere Bonsai sind also keine Vergewaltigung der Natur!
Wir bearbeiten nur miteiniger Verfeinerung die von der Natur vorgegebenen
Möglichkeiten die in Pflanzen stecken. Durch den regelmässigen
Rückschnitt wird die Blatt- und Kronenmasse im günstigsten
Verhältnis zum Wurzelwerk gehalten.
Nun ist eine optimale Pflege mit düngen und wässern äusserst
wichtig. Trockenheit wie Staunässe ist für den kleinen
Baum schnell tödlich. Täglich mehrmalige Kontrolle ist
wichtig um den Zustand des Bonsai zu beachten.
Wenn Sie einen Hund haben, müssen Sie drei mal täglich
mit ihm 'Gassi' gehen, ein Bonsai muss dreimal täglich kontrolliert
werden!
Ein bis drei Mal giessen pro Tag, wöchentlich ein Mal düngen
während der Vegetationsperiode, all das ist lebenswichtig für
einen gesunden und kräftigen Bonsai. Wir streben ja ein verkleinertes
Abbild natürlich gross gewachsener Bäume an, also keine
"verhungerten Krüppel'".
Ein regelmässiges Umtopfen je nach Alter der Bonsai ist genauso
wichtig wie der richtige Standort in Licht, Wind und Regen. Zimmergeeignete
Bonsai, sogenannte Indoors, bleiben natürlich das ganze Jahr
über im Zimmer.
Nicht winterharte exotische Pflanzen werden in frostfreien Räumen
überwintert, unsere einheimischen, sowie die aus gleichen Klimaten
stammenden japanischen Bonsai, werden mitleichtem Schutz draussen
überwintert.
FORMEN?
Wie gesagt, wir wollen grosse Bäume in der Natur en Miniatur
kopieren, nachgestalten. Dafür haben die Japaner seit Alters
her mehrere Grundstilformen entwickelt. Diese werden nun, je nach
den in der Ausgangspflanze vorhandenen Eigenschaften, herausgeformt.
Sinnlos ist es z.B. eine Eiche zur Kaskade zu vergewaltigen. Deren
Form ist der aufrechte, stämmige Baum. Sind hängende Eigenschaften
vorhanden wie z.B. beim Wacholder, kann damit eine Hängeformen,
sprich Kaskade, gestaltet werden.
Geformt und gestaltet werden Bonsai mitverschiedenen Techniken.
Hauptsächlich aber durch den Schnitt der neuen Triebe. Dies
ist wiederum keine Vergewaltigung der Pflanze, denken Sie an den
Obstbaumschnitt, die Thuja- und Buchenhecken,
den Rasen, welcher wöchentlich gemäht wird oder an starkwachsende
Zimmerpflanzen, aber auch an Fuchsien -und Geranienbäumchen
die ja geschnitten werden müssen, damit sie ihre Form behalten.
Auch Freilandpflanzen werden von weidendem Vieh oder Wildtieren
beknabbert und so klein gehalten, natürliche Bonsai also, Ausgangsmaterial
für die Schale.
Ein weiteres Gestaltungsmittel ist das Drahten der Triebe, welches
leider zu oft überbewertet wird. Der Draht allein kann die
Pflanze nämlich nicht klein halten, er muss vor dem Einschneiden
wieder entfernt werden . Durch Abspannen mittels Schnur oder Draht
kann der selbe Effekt schonender erzielt werden.
Stellen wir uns z.B. einen an der Küste, in permanentern Wind
stehenden Baum vor- Diese Form wird windgepeitscht genannt, Fukinagashi,
und liesse sich durch reine Schnittmassnahmen nicht erreichen. Da
wird nun gedrahtet, nach dem Erhärten der Triebe wieder entdrahtet.
Der Draht wird nur als formendes Mittel eingesetzt.
Junge Bäume haben aufstrebende Äste, alte hingegen hat
die Last der Jahre weit in die Waagrechte hinuntergedrückt.
Wollen wir nun einen eher jungen Baum älter erscheinen lassen,
so müssen wir seine Triebe durch drahten oder abspannen hinunterziehen.
SAIKEI?
Was ist Saikei?
Als Saikei, also Baum in der Landschaft, werden kunstvoll gestaltete
Miniaturlandschaften bezeichnet. Mit Steinen und Geländemodulationen
werden Bachläufe, wilde Gebirgsgegenden u.a. dargestellt. Auch
die Bäume spielen wichtige Rollen, der Gestalter ist aber nicht
durch Vorbestimmunen eingeengt.
Der Ursprung des Bonsai liegt in den Saikei, chinesisch "Pun-ching".
Suiseki sind
ausgewählt Steine aus der Natur. Von dieser gestalte, vom Sammler
nur greinigt und aufgestellt.
BONSAI IN DER
SCHWEIZ?
Der Bonsaigedanke
hat sich mindestens seit der "Grün 80" in der Schweiz
fest etabliert. Bonsai-Clubs in den verschiedenen Regionen tragen
ihren Teil zur Bekanntheit des Bonsai bei.
Bonsai-Center und kleiner Verkaufsstellen sind bestrebt, den Bedarf
zu befriedigen. Jährlich werden Tausende von Bonsai und Tonnen
von Zubehör importiert.
Aber auch das "Selbermachen" von Bonsai aus einheimischen
Gehölzen hat seinen festen Platz erobert. Einheimische Töpfer
kreieren Bonsaischalen und Jungpflanzen zu Bonsaigestaltung sind
mehr und mehr erhältlich.
Der
Bonsai-Club Zürcher Oberland stellt sich vor:
"Unser Club hat sich das Ziel gesetzt, in unserer Region als
Kontaktstelle für alle Liebhaber von Bonsai, Saikei und Suiseki
zu fungieren. Er verfolgt auschliesslich ideelle Ziele und ist sowohl
konfessionell als auch politisch neutral und unabhängig. Unsere
Aufgabe ist es, durch Erfahrungsaustausch der Mitglieder und Gäste
die Kenntniss der Bonsai-Kultur zu er weitern und zu vertiefen.
Wir pflegen Kontakte zu andern Bonsai-Clubs im In-
und Ausland, auf nationaler und internationaler
Ebene.
Auch sind wir bestrebt durch Ausstellungen, Vorträge, Workshops
und Demonstrationen in unserer Region die Idee des Bonsai weiter
zu verbreiten und allen Interessierten für Fragen und Probeme
zur Verfügung zustehen. Das Jahresprogramm umfasst monatliche
Zusammenkünfte, alljährliche Besuche von Ausstellungen,
Bonsai-Center und dem Bonsaigedanken nahestehenden Veranstaltungen,
sowie auch die Sammlungen von Mitgliedern und bekannten Bonsaifreunden."
Alljährlich
im März - April und Oktober führt das Bonsai-Centrum Waffenschmidt
Bonsai - Kurse für
Anfänger durch.
Copyrights Bert Stankowski, ©
Weisslingen 2003 |